Die RehaZentren Baden-Württemberg gewährleisten an neun Standorten medizinische Rehabilitation und Prävention mit jeweils eigenen Schwerpunkten. Um den bevorstehenden Herausforderungen der Elektromobilität zu begegnen, wurde im Jahr 2022 ein durch das BMDV gefördertes Elektromobilitätskonzept erstellt, das ab 2023 umgesetzt werden soll. Die Standorte verfügen lediglich über kleine Fuhrparks (ein bis drei Fahrzeuge), deren konkreten Anforderungen und Auslastungsprofile durch die Erhebung der Fahrzeuganforderungen und die Analyse der Fahrtenbücher untersucht wurde. Um die Kliniken jedoch mit einem ganzheitlichen Ansatz auf die Elektromobilität vorzubereiten, wurde zudem untersucht, welche weiteren Nutzendengruppen perspektiv welche Ladebedarfe haben werden; auf diese Weise wird sichergestellt, dass ein entsprechender Ladeinfrastrukturaufbau an den Standorten bedarfsgerecht erfolgt. Hierzu wurde mittels Kurzbefragungen bei Mitarbeitenden, Patienten und Patientinnen sowie deren Besuchenden Ladebedarfe erhoben. Die Befragungen umfassten die Verkehrsmittelwahl, Anfahrtslängen und -häufigkeiten sowie Aufenthaltsdauern. Die hieraus abgeleiteten Ladepunktbedarfe wurden in Abhängigkeit der Elektrifizierungsquote in kurz-, mittel- und langfristige Szenarien heruntergebrochen und anhand von Übersichtsplänen der jeweiligen Standorte verortet. Zielsetzungen bei der Verortung waren eine möglichst kurze Distanz zu einem Netzanschluss, die bauliche Machbarkeit sowie die Zugänglichkeit für die jeweiligen Nutzendengruppen. Abschließend erfolgten Lastprognosen (Tagesganglinien), die der Ableitung einer zu erwartenden Netzanschlussleistung für die Elektromobilität dienen. Dies stellt den konkreten Anknüpfungspunkt zwischen dem Konzept und der technischen Ausführung durch einen für Elektromobilität zertifizierten Elektroinstallationsbetrieb dar. An einem Standort konnten ergänzend zur beschriebenen Vorgehensweise auch Potenziale zur Nutzung des Stroms aus einem installierten BHKW aufgezeigt werden. Im Jahr 2030 könnte in diesem Fall etwa ein Viertel des von der Elektromobilität benötigten Stroms direkt aus dem BHKW bezogen werden. Dies entspricht ca. 30% des bisher jährlich ins Stromnetz eingespeisten BHKW-Stroms, woraus sich ein jährliches Gewinnpotenzial von ca. 25.000 EUR ergibt. Spannend ist hierbei, dass sich dieser Wert auch mit einem weit größeren Bestand an Elektrofahrzeugen in den Jahren bis 2050 lediglich moderat auf ca. 35% steigern lässt, da Ladebedarfe und Stromgestehung zeitlich nicht stärker korrelieren. Hier wäre die Installation eines stationären Speichers eine noch im Detail zu untersuchende Option.
„ Die ausführliche Planung hilft uns, die vielen Einflussfaktoren aus zukünftigem Verhalten, Entwicklung der Automobiltechnik, Energieversorgung und Gesetzgebung auf die individuellen Begebenheiten zu designen. Die Befragung von unterschiedlichen Nutzergruppen hat geholfen, ein differenziertes Bild zur Elektrifizierung entstehen zu lassen. Konkret sind durch die Planung Anzahl an Ladesäulen pro Standort, Ladestandorte und Netzanschlüsse aufgezeigt. Mit der Planung ist es uns möglich einen hohen Bedarfsquotienten und die Berücksichtigung einer hohen Nachhaltigkeitsquote betriebswirtschaftlich sinnvoll zu verbinden.“
- Stephan Hörl, Kaufmännischer Leiter, Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl und Koordination Energiemanagement, RehaZentren Baden-Württemberg gGmbH