Die Stadt Suhl hat im Jahr 2021 ein Elektromobilitätskonzept (gefördert durch das BMDV) erstellt mit dem Ziel der Fuhrparkelektrifizierung in der Stadtverwaltung sowie dem Eigenbetrieb Kommunalwirtschaftliche Dienstleistungen Suhl (EB KDS). Aufgrund der Verfügbarkeit von Fahrtenbüchern konnten 22 Pkw Stadt Suhl detailliert untersucht werden. Im Ergebnis wiesen nahezu alle analysierten Pkw Tageslaufleistungen und Nutzungsanforderungen auf, die mit den am Markt verfügbaren Fahrzeugen elektrifiziert werden können. Die Kostenbetrachtungen zeigten, dass die 1:1-Substitution des gesamten städtischen Fuhrparks zu deutlichen jährlichen Mehrkosten von 30-40 % führt. Durch die Nutzung bestehender Förderung können allerdings leichte Kosteneinsparungen von ca. 5-7 % im Vergleich zum heutigen Stand erreicht werden. Basierend auf den vorliegenden Informationen zur Fuhrparkstruktur und -auslastung wurde eine Verkleinerung des Fuhrparks um 3 Fahrzeuge vorgeschlagen, wodurch sich die jährlichen Mehrkosten gegenüber der 1:1-Substitution um weitere 4-12 % senken ließen. Die derzeitige Marktsituation im Nutzfahrzeugsektor erschwert präzise Untersuchungen der 1:1-Substitution in diesem Bereich, weshalb die Fahrzeuge des EB KDS basierend auf geschätzten Tageslaufleistungen in drei Gruppen gefasst wurden: bereits elektrifizierbar (15 Fahrzeuge, v.a. Pkw und Transporter), mittelfristig elektrifizierbar (33 Fahrzeuge, Pritschenfahrzeuge, Bagger, Lkw etc.) und vermutlich nicht elektrifizierbar (6 sonstige Fahrzeuge). Im Konzept wird empfohlen jedem Fahrzeug einen eigenen Ladepunkt zur Verfügung zu stellen, da das Teilen von Ladepunkten Stellplatzwechsel nach sich zieht, die im Alltag als störend empfunden werden und die ggf. auch vergessen werden – was zur Folge haben könnte, dass Fahrzeuge am nächsten Morgen nicht geladen wären. Die Ladepunkte sollen eine Anschlussleistung von 11 kW aufweisen. Parallel wurde eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, die neben der Elektromobilität weitere Mobilitätsschwerpunkte hatte. Aus dieser Befragung wurde ein Ladepunktbedarf der Mitarbeiter:innen abgeleitet, der im Konzept in die weiteren Betrachtungen (Lastgang, Anzahl Ladepunkte, nötige Netzanschlussleistung) eingeflossen ist. Zur verbesserten Organisation des Fuhrparks wird die Einführung eines zentralen Fuhrparkmanagements sowie einer Fuhrparksoftware für die Fahrzeugverwaltung einerseits und für Buchungsprozesse andererseits angeregt. Auch wurden Empfehlungen für die Berücksichtigung der Elektromobilität im Fuhrparkmanagement gegeben.
„ Bei der Umsetzung der Fuhrparkelektrifizierung hat sich gezeigt, dass viele Kolleg:innen bisher kaum Berührungspunkte und deshalb Vorbehalte gegenüber Elektrofahrzeugen haben. Diesbezüglich gehen wir den Schritt, dass zunächst einzelne Fahrzeuge elektrifiziert werden, um schonend Vorteile zu vermitteln und Berührungspunkte zur E-Mobilität zu schaffen. Auch Probefahrten mit Leihfahrzeugen haben bereits kritische Mitarbeiter:innen überzeugen können. Um erste Voraussetzungen zu schaffen, wurden zwei Einzelladepunkte errichtet. Aufgrund langer Lieferzeiten warten wir aber aktuell noch gespannt auf unsere ersten Elektrofahrzeuge. Die zeitlich langfristige Beschaffung sollte man deshalb unbedingt mit einplanen und beachten.“
- Diego Walch, Sachbearbeiter Klimaschutz: